Polisphere Logo
24. Februar 2024 3 Minuten

Erkenntnisse zu Antisemitismus im Ukraine-Krieg

Antisemitische Äußerungen und Desinformation hatten in den sozialen Medien mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine merklich zugenommen. Welche Akteure entsprechende Verschwörungserzählungen verbreiten und welche zentralen Narrative dabei bedient werden, untersucht unsere Tracker-Website zu Antisemitismus im Ukraine-Krieg, die über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren mit Förderung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft entstanden ist.

Ein Online-Dashboard auf der Seite gibt einen Überblick über antisemitische und verschwörungsnahe Äußerungen ausgewählter deutschsprachiger Accounts und erklärt zudem, welche antisemitischen Narrative dabei genutzt werden. Untersucht wurden 55 Akteure auf zehn verschiedenen Plattformen, wobei der Fokus auf Telegram, Twitter/X, YouTube und der deutschsprachigen Website des russischen Nachrichtenmediums RT lag.

Dabei konnten 20 Narrative identifiziert werden, deren Spektrum von klassischen antisemitischen Vorstellungen über degradierende rhetorische Techniken bis hin zu neueren Verschwörungserzählungen reicht. Besonders häufig fiel dabei die Gleichsetzung aller Ukrainer:innen mit Nazis auf, was als Kriegsrechtfertigung herangezogen wird. Weit verbreitet ist zudem der Glaube an eine elitäre bzw. globalistische Verschwörung, die wie ein Marionettenspieler die Strippen im Hintergrund ziehe und eine “New World Order” errichten wolle.

Während sich zu Beginn der russischen Invasion eine Hochphase antisemitischer Inhalte beobachten ließ, nahm die Zahl der explizit antisemitischen Posts ab Sommer 2022 stetig ab und stabilisierte sich auf einem niedrigen, aber konstanten Niveau. Dabei zeigt sich bei genauerer Beobachtung der jeweiligen Accounts jedoch eine latent antisemitische Haltung, die sich auch auf weitere aktuelle Ereignisse und politische Debatten übertragen lässt. So fielen ähnliche Narrative etwa im Hinblick auf andere marginalisierte Gruppen auf. Zudem teilen viele der beobachteten Accounts seit dem 7. Oktober 2023 vermehrt antiisraelische Inhalte, die auf derselben Grundhaltung basieren. 

Eine detaillierte Darstellung der Erkenntnisse des Projekts bietet zudem unser Fazitartikel anlässlich des zweiten Jahrestags der russischen Großoffensive gegen die Ukraine.

Wir verwenden Cookies

Hilf uns, deine Erfahrung zu verbessern, indem du unsere Cookies akzeptierst. Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung